Obst und Gemüse im Kampf gegen chronische Krankheiten - Teil 1: Bluthochdruck

Obst & Gemüse

2012 wurde im European Journal of Nutrition1 eine Meta-Analyse publiziert, welche die Frage klären sollte, ob ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse das Risiko an chronischen Krankheiten zu erkranken, reduzieren kann. In dieser mehrteiligen Serie möchte ich die Inhalte dieser Analyse wiedergeben, um dem Leser resp. der Leserin einen möglichst guten Überblick über die wissenschaftliche Faktenlage zum Thema zu geben.

Der erste Teil umfasst eine Einleitung in die Studie und behandelt anschliessend das Thema resp. die Resultate zum Thema Bluthochdruck. 

Übersicht

Obst und Gemüse sind ein wichtiger Teil der menschlichen Ernährung, denn sie sind wichtige Nährstoff- (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Sekundäre Pflanzenstoffe) und Ballaststoffquellen. Dennoch ist es aus wissenschaftlicher Sicht ungewiss, ob ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse einen Beitrag zur Reduktion des Risikos, an diversen chronischen Krankheiten zu erkranken, leisten kann. Um diese Frage zu beantworten, wurde eine umfassende Analyse der verfügbaren Studien in der PubMed-Datenbank bis zum Dezember 2010 durchgeführt. Gesucht wurde nach den Begriffen "Obst" und "Gemüse".Die gefundenen Studien und deren Resultate wurden anschliessend in Krankheitsbilder gruppiert, welche nachfolgend resp. im Rahmen dieser Serie erläutert werden.

Im folgenden werden die Begriffe "überzeugende Beweise", "wahrscheinliche Beweise", "mögliche Beweise" und "ungenügende Beweise" verwendet um anzugeben, wie sicher sich die Wissenschaft in Bezug auf eine Aussage resp. einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Obst und Gemüse und einer Krankheit ist. Dies bedeutet konkret:

  • "überzeugende Beweise": mindestens zwei Studien höchster Qualität zeigen dieselben Ergebnisse.
  • "wahrscheinliche Beweise": epidemiologische Studien zeigen einen konsistenten Zusammenhang, wobei es auch Studien gibt, welche keine Reduktion des Risikos zeigen.
  • "mögliche Beweise": die meisten (mind. 3) epidemiologischen Studien zeigen einen konsistenten Zusammenhang, wobei einige Studien keinen oder einen negativen Zusammenhang zeigen.
  • "ungenügende Beweise": die untersuchten Studien zeigen keinen oder nur einen geringen Zusammenhang.

Im Falle von Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall gibt es überzeugende Beweise dafür, dass ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse das Risiko an einer der genannten Krankheiten zu erkranken, reduziert. Im Falle von Krebs im allgemeinen ist eine Reduktion des Risikos wahrscheinlich und im Falle von Übergewicht möglich. Da Übergewicht der Hauptrisikofaktor für eine Erkrankung an Diabetes Mellitus Typ 2 zu sein scheint, besteht ein indirekter Zusammenhang zwischen dem Konsum von Obst und Gemüse und dem Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Unabhängig vom Übergewicht gibt es wahrscheinlich keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Obst und Gemüse und Diabetes Mellitus Typ 2.

Weiter gibt es mögliche Beweise dafür, dass ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse das Risiko an diversen Augenerkrankungen, Demenz und Osteoporosis zu erkranken, reduzieren kann. Das gleiche gilt für Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) und rheumatoide Arthritis.

Für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (häufigste Vertreter sind Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn), Grüner Star und Diabetische Retinopathie (Erkrankung der Netzhaut des Auges im Zusammenhang mit Diabetes Mellitus) gibt es unzureichende Beweise dafür, dass ein erhöhter Obst- und Gemüsekonsum einen positiven Einfluss auf die Prävention dieser Erkrankungen hat.

Als Fazit wird hervorgehoben, dass die untersuchten Studien deutlich zeigen, dass ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse generell förderlich für die Gesundheit ist und deshalb Kampagnen zur Förderung des Verzehrs notwendige und bevorzugte Strategien sind, um die Last diverser chronischer Krankheiten in der westlichen Welt zu lindern.

Obst- und Gemüsekonsum

Im Rahmen der Studie wurde der Konsum von Obst und Gemüse innerhalb von Europa auf Basis von representativen Ernährungsumfragen in 19 Ländern untersucht. Aufgrund unterschiedlicher Umfragemethoden und Zeitspannen sind die Werte nicht vollumfänglich vergleichbar. Dennoch konnten die folgenden Resultate bezüglich dem durchschnittlichen Konsum abgeleitet werden.

In Polen, Italien, Österreich und Deutschland werden pro Tag durchschnittlich mehr als 400g Obst und Gemüse verzehrt. Der Verzehr von Gemüse ist im Süden (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Zypern) sowie in Zentral- und Osteuropa (Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Slovenien, Tschechien, Ungarn) mit 250g pro Tag höher als im Norden Europas (Dänemark, Estland, Finland, Lettland, Litauen, Norwegen, Schweden) mit 140g pro Tag.

Der höchste Konsum von Obst wurde in Zentral- und Osteuropa (209g pro Tag) sowie in Südeuropa (203g pro Tag) gefunden. Im Norden beträgt er 129g pro Tag und im Westen (Belgien und Luxenbrug, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Grossbritanien) 113g pro Tag.

Daten von rund 196'373 Erwachsenen aus 52 Ländern mit hauptsächlich kleinem bis mittleren Einkommen, welche in der World Health Survey (2002 - 2003) befragt wurden ergaben, dass rund 78% der Frauen und Männer weniger als die von der World Health Organization (WHO) empfohlenen 5 Portionen (400g pro Tag) Obst und Gemüse pro Tag verzehren.

Bluthochdruck / Hypertonie

Im Jahre 2000 litten rund 26% der Weltbevölkerung unter Bluthochdruck. Schätzungen gehen davon aus, dass es im Jahre 2025 bereits 29% sein werden. 90% der betroffenen leiden unter Bluthochdruck, welcher nicht durch eine andere Krankheit ausgelöst wurde. Aufgrund des erhöhten Risikos einen Schlaganfall zu erleiden, an einer Koronaren Herzkrankheit oder Nierenkrebs zu erkranken, müssen die betroffenen in der Regel lebenslang medikamentös behandelt werden.

Es konnte gezeigt werden, dass bereits eine geringe Reduktion des durchschnittlichen Blutdrucks in der Bevölkerung eine Reduktion der Auftretenshäufigkeit von Koronaren Herzkrankheiten zur Folge hat. Im Jahre 2003 hat das American Heart, Lung and Blood Institute angegeben, dass präventive Massnahmen gegen Bluthochdruck u.a. einen gesunden Lebensstil beinhaltet, welcher eine Gewichtsreduktion mit Hilfe der DASH-Diät (später mehr dazu) eine Limitierung von Alkohol und Natrium sowie eine Erhöhung der körperlichen Aktivität (Sport resp. Bewegung) umfasst.

Die Forschungsgruppe der European Society of Hypertension (ESH) zum Thema der Bewältigung von arteriellem Bluthochdruck sieht einen erhöhten Konsum von Obst und Gemüse als eine der Lebensstil-Massnahmen an, welche bei Personen mit niedrigem Bluthochdruck und einem geringen Risiko an Koronaren Herzkrankheiten zu erkranken, hilfreich ist.

Die INTERSALT-Studie mit Daten von mehr als 10'000 Personen von 52 Zentren aus 32 Ländern hat gezeigt, dass ein erhöhter Konsum von Kalium (ein Mineral, welches mit einer pflanzenbasierten Ernährung reich an Obst und Gemüse in Verbindung gebracht wird) den Blothochdruck zu senken vermag, unabhängig von der zugeführten Menge an Natrium. Obschon zu sagen ist, dass dieser Effekt bei einer kleinen Studie mit 48 Personen über 6 Wochen mit leichtem Bluthochdruck, nicht gezeigt werden konnte.

Im Vergleich zu Bevölkerungsgruppen welche sich normal ernähren (damit ist eine Ernährung gemeint, welche auch Fleisch, Fisch und Geflügel binhaltet), haben Vegetarier häufig einen tieferen Blutdruck. Eine Reduktion des Blutdrucks ist ebenfalls dann zu beobachten, wenn von einer normalen zu einer vegetarischen Ernährung gewechselt wird. In der Kohortenstudie SU.VI.MAX konnte gezeigt werden, dass ein umgekehrter Zusammenhang (je mehr vom einen, desto weniger vom anderen) zwischen einem erhöhten Obst- und Gemüsekonsum und neuen Fällen von Bluthochdruck existiert. Weiter wurde gezeigt, dass eine Zufuhr von Vitaminen und Mineralien mit antioxidativer Wirkung keinen Einfluss auf den Blutdruck haben (die rund 13'000 TeilnehmerInnen erhielten entweder eine Mischung aus Ascorbinsäure [Vitamin C], Vitamin E, Betacarotinen, Selen und Zink oder ein Placebo). Hingegen zeigte eine Analyse der Nurses' Health Study (NHS) 1 und 2 und der Health Professionals Follow-up Studie (HPFS), dass eine erhöhte Zufuhr von Anthocyanen (wasserlöslicher Pflanzenfarbstoff der Pflanzen eine intensive rote, violette oder blaue Färbung verleit) zu einer Risikominderung an Bluthochdruck zu erkranken führt.

Die zuvor erwähnte DASH-Diät basiert auf den Erkenntnissen der DASH-Studie ("Dietary approaches to stop hypertension" was frei ins Deutsche übersetzt soviel wie "Ernährungsbasierte Versuche Bluthochdruck zu stoppen" bedeutet). Dabei handelt es sich um eine achtwöchige Interventionsstudie (Vorher-Nachher-Studie) mit 459 Erwachsenen mit erhöhtem Blutdruck. Die TeilnehmerInnen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen erhielten die Anweisung viel Obst und Gemüse zu essen. Nur eine Gruppe erhielt zusätzlich die Anweisung ebenfalls wenig Fett und viel Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Das Resultat war, dass der blutdrucksenkende Effekt in der zweiten Gruppe (wenig Fett und viel Ballaststoffe) höher ausfiel. Dieser Effekt konnte in weiteren Interventionsstudien bestätigt werden. In der Premier Trial Study, einer Studie mit 810 Erwachsenen konnte zudem gezeigt werden, dass eine Ernährung reich an Obst und Gemüse in Kombination mit fettarmen Milchprodukten eine grössere Reduktion des Blutdruckes zur Folge hat, als eine Intervention welche nur aus Gewichtsreduktion, Sport und einer Limitierung der Natriumzufuhr besteht. Des weiteren hat eine Studie in England mit 690 Personen zwischen 25 und 64 Jahren gezeigt, dass der Konsum von mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag in Kombination mit dem DASH-Ernährungsplan den Blutdruck senkt.

Basierend auf den Ergebnissen der erwähnten und weiteren Studien sind die Beweise dafür, dass ein erhöhter Konsum von Obst und Gemüse eine blutdrucksenkende Wirkung hat, überzeugend.

Persönliches Fazit

Die Bekämpfung von Bluthochdruck und die Reduktion der damit verbundenen Risiken (Schlaganfall, Koronare Herzkrankheiten, Nierenkrebs und indirekt Diabetes Mellitus Typ 2) hängt aus meiner Sicht zum grössten Teil von unserem Lebensstil ab. Für mich besteht dieser aus einer hauptsächlich pflanzenbasierten Ernährung mit hochwertigen Pflanzenölen, ausreichend Bewegung und genügend Erholung. Nach diesem Prinzip funktioniert auch der 10DayBoost.

Quellen

1 "Critical review: vegetables and fruit in the prevention of chronic diseases" (Eur J Nutr (2012) 51:637-663)

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Lektion 1: Wozu gesund essen?
 

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